Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. 16.03.2005 | |
„Fertigbau - modern, sicher und bequem“: Aktuelles Interview mit Fertigbau-Verbandspräsident Gerd Glenewinkel
| | Frage: Herr Glenewinkel, welche Gründe halten Sie persönlich für Ausschlag gebend, bei der Entscheidung ein Haus zu bauen?
Gerd Glenewinkel: Ich denke, daß es in erster Linie emotionale Gründe sind: Die Suche nach Geborgenheit, der Wunsch sich in ein eigenes Haus zurückziehen zu können, um dort so zu leben, wie man leben möchte. Es ist im Grunde immer noch die Erfüllung eines Traums. Für die Wenigsten fällt die Entscheidung aus der Not heraus, aus einer bestimmten Wohnsituation heraus zu müssen. Da könnte man ja dann auch von einer Mietwohnung in die andere wechseln.
Frage: Was unterscheidet den Fertighaus-Bauherren von dem Bauherren eines konventionellen Hauses?
Glenewinkel: Die Bauherren von Fertighäusern sind modernen Bauweisen gegenüber aufgeschlossener. Deutschland hat, im Vergleich zu anderen Ländern, keine sehr hohe Fertighaustradition. Das heißt also im Umkehrschluss, wir sind ein sehr konservatives Land. Wenn sich dann immer noch rund 15 Prozent der Bauherren für ein Fertighaus entscheiden, dann sind das aufgeschlossen denkende Menschen. Das müssen nicht immer nur junge Familien sein, das sind durchaus auch ältere Bauherren.
Frage: Das heißt, die Bauherren entscheiden sich ganz bewusst für ein Fertighaus?
Glenewinkel: Aber ja. Es ist ja schließlich nicht so, als ob der Fertigbau billiger wäre, als konventionell gebaute Häuser. Wir bauen einfach moderner und haben damit den großen Vorteil, zukunftssicherer zu sein. Wir sind in vielen Gebieten Vorreiter, zum Beispiel was technische Systeme anbelangt. Häufig ist aber auch unser Serviceangebot ausschlaggebend: wir liefern schlüsselfertige Häuser, wir kümmern uns um alles und der Bauherr muß – außer der Unterschrift unter den Kaufvertrag und eben die Auswahl, die er zusammen mit unseren Beratern trifft – relativ wenig tun. Ganz ohne ihn geht’s natürlich auch nicht. Aber er wird stark entlastet von allem, was in der Regel beim Hausbau konventioneller Art auf Ihn zukommt.
Frage: Bequem zum eigenen, individuellen Haus – das klingt vielversprechend und liegt doch eigentlich genau im Trend der Zeit. Glauben Sie, daß sich der Fertigbau aufgrund der überdurchschnittlichen Service- und Sicherheitsleistungen in Zukunft einen größeren Marktanteil erobern kann, als die bisherigen zwölf bis15 Prozent?
Glenewinkel: Es wird sich dann wesentlich nach oben bewegen, wenn es uns gelingt, in den Köpfen der Leute noch mehr Einsicht für die Vorteile zu gewinnen, die wir bieten. Das ist ja nicht nur die Bequemlichkeit, das ist auch die hohe Qualität. Wir haben eine gesetzlich vorgeschriebene Gütekontrolle. Weit über das gesetzlich geforderte Maß hinaus, fordert aber unsere Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau, der wir uns als Mitglieder des Bundesverbandes verpflichtet haben, viel, viel mehr. Deswegen ist die Qualität generell viel besser, als alles, was Sie sonst noch auf dem Markt finden. Und das ist nicht nur Lippenbekenntnis – wir kontrollieren das auch. Die Zahl der Verstöße ist dabei übrigens ausgesprochen gering. Es ist auch äußerst schwer, wenn ich eine industriell ausgerichtete Produktion habe, plötzlich bei jedem zehnten Haus Pfusch zu machen: Wenn es neun Mal funktioniert, dann muß es auch beim zehnten Haus funktionieren.
Frage: Das sind tolle Argumente für den Fertigbau und Ihre Mitgliedsunternehmen versuchen, diese ja auch seit Jahren mit umfangreichen Werbemaßnahmen an den Kunden zu bekommen. Glauben Sie, daß diese harten Fakten den durchschnittlichen Bauherrn zum Fertighaus bekehren können?
Glenewinkel: Allein damit kommen Sie an den Bauherren nicht ran. Ich habe vorhin davon gesprochen, daß sich Bauherren mit ihrem Haus einen Traum erfüllen. Dazu gehört natürlich mehr als harte Fakten: Die Architektur muß stimmen, sie muß sich der Landschaft anpassen – das heißt, in Bayern muß ich anders bauen als in Schleswig-Holstein. Auch das Ambiente muß stimmen: Das heißt, das Hausinnere, der Grundriss muss so gestaltet sein, daß sich die Bauherren darin wieder finden.
Frage: Können solch individuelle Anforderungen denn mit einem Fertighaus überhaupt erfüllt werden?
Glenewinkel: Aber natürlich! Vom so genannten Haus von der Stange sind die Fertighaushersteller schon seit Jahrzehnten weg. Ich möchte das Haus sehen, das zweimal komplett identisch gebaut wurde! Wir bauen im Grunde individuelle Häuser in Holzfertigbauweise. Das heißt, wenn wir in unseren Katalogen ein bestimmtes Haus anbieten, dann ist das ein Vorschlag – das heißt aber nicht, daß es nur genau so gebaut werden kann. Natürlich haben die Bauherren und -frauen die Freiheit, ihr Haus innen wie außen so zu gestalten, wie sie persönlich es sich wünschen.
Frage: Welche Argumente würden Sie verwenden, um einen Bauherren davon zu überzeugen, ein Fertighaus zu bauen?
Glenewinkel: Es kommt darauf an, wen ich davon überzeugen möchte. Wenn es ein eher emotional veranlagter Freund wäre, dann würde ich mit der tollen Architektur argumentieren. Bei eher rational veranlagten Menschen würde ich die Sicherheit und die Solidität des Unternehmens darstellen. Das ist ganz wichtig, wenn es mal darum geht, etwas umzubauen oder zu verändern – oder auch, um einen Mangel zu beheben. Das ist ja der ganz, ganz große Nachteil wenn ich zu irgendeinem Billig-Bauer gehe. Da habe ich keine Garantie, ob der in ein paar Jahren noch da ist und einen Mangel beheben kann. Deswegen sollte man sich mit seinem Hausbau an ein Unternehmen wenden, bei dem man aufgrund seiner langen Marktpräsenz zu Recht annehmen kann, daß es sie auch in Zukunft noch lange geben wird.
Frage: Was sind Ihrer Meinung nach die drei größten Vorteile eines Fertighauses gegenüber einem konventionellen Haus?
Glenewinkel: Wenn Sie mich vor 15 Jahren gefragt hätten, was die Hauptvorteile eines Fertighauses sind, dann hätte ich Ihnen mindestens zehn Argumente wie aus der Pistole geschossen präsentiert. Heute muß ich nachdenken, weil viele Dinge so selbstverständlich geworden sind, wie zum Beispiel die Festpreisgarantie oder eine exzellente Wärmedämmung etc. Das hat sich so eingeprägt, daß wir es schon gar nicht mehr sagen – das setzt man bei uns einfach voraus. Aber vielleicht muß man es trotzdem immer wieder erwähnen: Bei uns kann man einfach reingehen und sich ein Haus ansehen, entscheiden ob es einem gefällt – der Rest stimmt in der Regel. Aber Sie hatten ja nach den drei Hauptgründen für mich gefragt. Also: die ausgesprochen hervorragende Bauqualität, das angenehme Wohnklima in einem Holz-Fertighaus und das es nachher auch wirklich kostet, was vorher vereinbart war.
Frage: Wie wird das Familienhaus der Zukunft aussehen?
Glenewinkel: Es gibt einige Grundbedürfnisse, die mit einem Haus befriedigt werden müssen. Das ist Schlafen, Wohnen, Kochen. Daran wird sich, nach meiner Auffassung, nichts ändern. Aber moderne Technik-Systeme werden sicherlich stärker nachgefragt werden. Zum Beispiel BUS-Systeme, also automatische Systeme, mit denen ich auch mein Haus aus der Ferne steuern kann, werden dazu gehören und nachgefragt werden. Inwieweit sich Häuser darüber hinaus verändern werden, wage ich nicht zu prognostizieren. Es gibt ja Ansätze, zum Beispiel das modulare Haus: Das heißt ich fange mit einem Single-Haus an und erweitere das mit den Jahren. Dafür wird es immer einen Markt geben. Aber ich glaube, daß der Großteil der Wohnhäuser sich weiterhin an den bekannten Formen orientieren wird. Das ist der Nestbautrieb – da sind Bauherren immer noch eher konservativ und wollen zunächst die Grundbedürfnisse befriedigen.
Das Interview führte die Fachzeitschrift FamilyHome. Die Veröffentlichung ist kostenlos, für einen Hinweis auf die Quelle „FamilyHome“ wären wir dankbar. |
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 | | Weitere Infos: | | Achim Hannott |
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