drucken  english  italiano




Home ◊ Presse / Aktuelles ◊ 

Pressemeldungen 2006


Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V.
31.04.2006
BDF Technikertagung: Praktische Entwicklungsarbeit für den Holzbau

Bad Honnef / Pilsen – Die Technikertagung des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) ist das einzige Forum, auf dem Fachleute von Hausherstellern und der Zulieferindustrie sich über das gesamte Spektrum des Holzhausbaus austauschen. Entsprechend groß war auch in diesem Jahr die Resonanz der Branche: Rund 160 Teilnehmer folgten dem Ruf des Bundesverbandes nach Pilsen in die Tschechische Republik.

„Gemeinsam wollen wir einerseits den Stand der Technik absichern und andererseits die Bandbreite dessen, was wir leisten können, erweitern“, beschreibt der technische Leiter des BDF, Georg Lange, das Ziel der jährlichen Tagung. So boten die Vorträge namhafter Referenten aus Wissenschaft und Praxis dann auch einen Querschnitt durch die Kernaufgaben der Verbandstätigkeit im Bereich Technik: Neben praktischen Hilfestellungen für die Unternehmen standen grundlegende Entwicklungsarbeit und das Erschließen von Markt- und Innovationspotenzialen auf der Tagesordnung des Branchentreffens.

Das CE-Zeichen als Handelszeichen der Europäischen Gemeinschaft erleichtert den Export von Fertighäusern in verschiedene EU-Staaten. Einzelne Länder wie Spanien fordern das Zeichen sogar verstärkt als Voraussetzung für die Einfuhr. Um die Lieferung von Fertighäusern als Bausatz zu ermöglichen, kann das CE-Zeichen über eine europäische technische Zulassung erlangt werden. Grundlage dafür ist die Zulassungsleitlinie ETAG 002 für „Bausätze im Holzrahmenbau“. Sie bietet schon jetzt eine praktikable Möglichkeit, den Export zu vereinfachen, nachdem sich herausgestellt hat, dass eine europäische Norm für Holztafelelemente frühestens in zwei bis drei Jahren fertig gestellt sein wird. Mit der europäischen technischen Zulassung wird mindestens die generelle Handelbarkeit des Bausatzes, der die wesentlichen vorgefertigten Teile von Fertighäusern beinhaltet, in den europäischen Mitgliedsstaaten ermöglicht. Darüber hinaus können bautechnische Verwendbarkeitsnachweise für das Fertighaus – zum Beispiel als Einfamilienhaus – geführt werden. „Langfristig bietet die europäische technische Zulassung eine Möglichkeit, das jeweilige Genehmigungsverfahren in verschiedenen europäischen Ländern erheblich zu vereinfachen“, so die Einschätzung von Ralf Stoodt von der Bundes-Gütegemeinschaft Montagebau und Fertighäuser (BMF). Die BMF ist im europäischen Verfahren für die nach der Zulassung erforderliche laufende Überwachung und Zertifizierung anerkannt.

Europäische technische Zulassungen können bei einer der der europäischen Zulassungsstellen („EOTA-Stellen“) beantragt werden. In Deutschland ist dies das Deutsche Institut für Bautechnik. Als besonders effektiv und in überschaubarem zeitlichen Rahmen abzuwickeln gilt das österreichische Zulassungsverfahren, das die Holzforschung Austria gemeinsam mit dem Österreichischen Institut für Bautechnik entwickelt hat.

Mit der Rolle des Holzbau-Betriebs als Anbieter von schlüsselfertigen Großprojekten beschrieb Werner Dittrich, Geschäftsführer der O. Lux GmbH & Co. (Roth) ein starkes Marktpotenzial der Branche. Neben den wirtschaftlichen Chancen, die eine Vergrößerung der Wertschöpfungskette und des Marktspektrums mit sich bringt, treten jedoch auch neue Anforderungen: Der Holzbaubetrieb entwickelt sich zum Generalunternehmer, der nicht nur die Leistungen des eigenen Betriebs, sondern auch hinzu zu kaufende Leistungen von Nachunternehmern anbietet. Die größte Herausforderung liegt dabei, so die Erfahrung von Dittrich, in der Planung, die für das gesamte Projekt zu erbringen ist und die weit über die Errichtung der Haushülle aus Holzelementen hinaus reicht. Bei einem solchen Großprojekt entfallen laut Dittrich nur noch rund 30 Prozent der Gesamtleistung auf die „klassischen“ Bestandteile des Holzbaues, von der statischen Berechnung für den Holzrahmenbau, dem Erbringen der Schallschutz- und Brandschutznachweise über das Vorfertigen der Holzelemente im Werk bis zur Montage der Holzkonstruktion. Dem gegenüber stehen 70 Prozent Nebenleistung für Rohbau, Haustechnik und Innenausbau.

Die Chancen für den Holzbau liegen neben dem Neubau besonders in der Erweiterung und Aufstockung von Bestandsgebäuden. Dies bringt andererseits die Notwendigkeit mit sich, die Mischung unterschiedlicher Bauweisen in der Konstruktion zu berücksichtigen. Hier rücken zum Beispiel die Ausführung von Stahl-Skelettbauten mit Holzelementen als Wand und Decke oder die Errichtung von Erweiterungsbauten um einen Stahlbetonkern herum in das Aufgabenfeld des Holzbaubetriebs. Je mehr solcher Objekte verwirklicht werden, desto bekannter werden nach Ansicht Dittrichs die vielfältigen Möglichkeiten des modernen Holzbaus bei Architekten und privaten wie auch öffentlichen Bauherren.

Die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Montage von Gebäuden aus vorgefertigten Bauteilen verbessern – das war Thema eines gemeinsamen Forschungsprojektes der BAD GmbH mit dem BDF, dem Fachgebiet Arbeitssicherheit der Bergischen Universität Wuppertal und dem Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit. Ein Thema, das die Fertigbauindustrie nicht scheuen muss: Experten schätzen die Arbeitssicherheit der Beschäftigten wegen des hohen Vorfertigungsgrades und die kurze Bauzeit vergleichsweise positiv ein. Zu den verbleibenden Restrisiken zählt im Fertighausbau ebenso wie bei allen anderen Bauweisen die Absturzgefahr der Monteure. Hier setzt die von der BAD GmbH erarbeitete Muster-Gefährdungsbeurteilung für Dacharbeiten bei Fertighäusern in Holztafelbauweise an, die anlässlich der BDF-Technikertagung vorgestellt wurde. Sie ermittelt und bewertet mögliche Absturzgefahren bei der Montage von Dachelementen. Im Rahmen des Projektes wurde unter anderem die Muster-Montageanleitung des BDF komplett überarbeitet, ein Baustellenhandbuch für die Verantwortungsträger sowie ein Leitfaden für die Beschäftigten erstellt. Ein Faltblatt informiert auch die Bauherren über das richtige Verhalten auf der Fertighaus-Baustelle.



Weitere Infos:
Achim Hannott

Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V.
Flutgraben 2
53583 Bad Honnef
Deutschland
Tel. +49 (0) 22 24 - 93 77 0
Fax +49 (0) 22 24 - 93 77 77
info@bdf-ev.de
http://www.bdf-ev.de

zurück